05.02.2015

Ausgesetzt.

Buchstaben. Worte. Sätze.
Buchstaben sind die Grundlage unseres heutigen Lebens. 
Die Grundlage unserer heutigen Kommunikation. 
Natürlich, wie schon Herr Watzlawick sagte: Man kann nicht nicht kommunizieren. 
Seh ich genauso. Nirgendwo kann man dieses Phänomen besser beobachten als in der schillernden Welt der Tiere.
Aber die Grundlage, der Kernbaustein der heutigen Kommunikation ist die Sprache. 

Das Traurige daran ist, dass immer mehr Menschen vergessen, dass die Sprache mehr ist, als nur ein Mittel zum Zweck. 
Längst schon stehen Präpositionen und Artikel neben dem Genitiv am Straßenrand im Regen und versuchen, sich einen blätterlosen Winter- Ast zu teilen.
Ausgesetzt. Einsam. Alleine. 

"Die Jugend von heute, die kann gar nicht mehr richtig sprechen." 
Das ist Schubladendenken. Das sind Vorurteile. 
Das Problem an der Sache: Sie stimmen. 
Ich bin ein absoluter Feind von Verallgemeinerungen und Vorurteilen, ich finde nichts schlimmer, als eine Debatte zwischen zwei "Erwachsenen" über die Technikbesessenheit der heutigen Jugend. 
Nicht alle sind so. 
Nicht alle Jugendliche haben ein Problem mit korrektem, deutschen Satzbau. Nein. Nicht alle.
Aber es werden immer mehr. 

Ich gebe ehrlich zu, die Worte entgleiten mir gerade, sie machen sich selbstständig.
Das hier soll kein Moralapostelvortrag werden und auch keine wiedergegebene Deutschstunde über den Sprachwandel. Ich passe eh zu wenig auf, um das wiedergeben zu können. 

Nein. 
Ich habe (mal wieder) ein Buch von Lilly Lindner gelesen. 
Ein Buch. 
Wörter.
Eine Ansammlung von Buchstaben. 
Schwarze Zeichen auf weißem Papier. 

Ich bin emotional am Ende, sitze hier und starre in die Gegend, bin seit 3 Stunden kurz davor, in Tränen auszubrechen. 
Wegen ihrer Worte. 
Wegen ihrer Sprache, ihrer wunderschönen, reinen Sprache. 

Worte berühren, tiefer als alles andere. Zumindest mich. Sie gehen direkt in mein Herz, in meinen Magen, in meinen Kopf, nisten sich ein, machen es sich gemütlich und erfüllen meinen gesamten Körper mit einem warmen, weichen Gefühl. 
Sie gehen direkt in mein Herz, in meinen Magen, in meinen Kopf, verwirren mich, bringen mich in Aufruhr und machen mich wütend. 
Direkt in mich hinein, machen mich traurig, reißen mich mit, lassen dicke Einhorntränen aus meinen Augen kullern. 
Hinab auf das Papier. Hinab in die Geschichte. 

Worte sind so viel mehr als nur Mittel zum Zweck. 
Sprache ist Kunst. Sprache ist Persönlichkeit. Sprache ist Gefühl.

Ich schlage "Winterwassertief" von Lilly Lindner auf. Lese die erste Seite. 
Und fange bitterlich an zu weinen. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen