08.02.2015

Feminismus. (Oder auch: Ein kleiner, wörtlicher Wutausbruch.)

Feminismus.
Es grenzt an ein gesellschaftliches Experiment, dieses Wort in einer Gruppe von Menschen laut auszusprechen.
Grundsätzlich gibt es drei mögliche Reaktionstypen auf diese Äußerung:
1. Müdes Lächeln, Stirnrunzeln, Augen verdrehen.
2. Müdes Lächeln, Stirnrunzeln, Augen verdrehen. Die ist so jung, die weiß gar nicht, wovon sie redet.
3. "Findest du den Bachelor auch so scheiße?"
Ja, ich bin jung.
Ich bin 18 Jahre alt.
Ich weiß, was Feminismus ist.

Ich bin mit einer starken Frau aufgewachsen. Meine Mama ist die stärkste Frau, die ich kenne. Sie hatte keine einfache Kindheit, hat ihr Leben auf die Reihe gekriegt und nebenbei mich noch großgezogen und ich lehne mich mal sehr weit aus dem Fenster und das ganz gut hingekriegt.
Meine Flauschelmenschin gehört ebenfalls zu dieser Sorte von Frau.
Ich gehöre ebenfalls zu dieser Sorte von Frau. (Ob man mit 18 schon eine Frau ist, sei in diesem Kontext mal dahingestellt.)

Die meisten Menschen verbinden den Begriff "Feminismus" automatisch mit Frauenquote. Mit Alice Schwarzer. Mit Frauen, die emotional kalt sind.
Ich beschäftige mich schon seit längerem mit dem Thema, aber ein Textpost, den ich auf Tumblr gefunden habe, hat mich wirklich zum Nachdenken gebracht:

"Feminism is knowing that you don't have to wear things to impress a man. 
 Feminism is also knowing that it's ok to wear things to impress a man if you want to." 

Ganz ehrlich, ich finde, das ist es.
Natürlich ist eine Frauenquote wichtig.
Natürlich sollten Frauen im Job gleichberechtigt werden.
Natürlich.
Für mich ist aber der wichtige Teil, das Bewusstsein zu ändern. Das Frauenbewusstsein.
Das Bewusstsein der Frau.
Eine Frau muss nichts für einen Mann tun, nur weil sie eine Frau ist.
Der große Unterschied ist, dass sie es tun kann, wenn sie es möchte.
Die Macht der Entscheidungen. Die haben nicht nur Männer.

Ich finde den Bachelor nicht scheiße. Ich finde den Bachelor auch nicht diskriminierend gegenüber Frauen. Jede einzelne ist aus freien Stücken da, jede hat sich aktiv dafür entschieden, das Geld zu nehmen, in der Sendung mitzumachen und von daher ist doch gut.
Deswegen sind sie keine Schlampen, deswegen werden sie nicht diskriminiert.
Sie sind da, weil sie es so wollen. Punkt.

Ich bin stolz, eine Frau zu sein/ zu werden.
Frauen sind toll. Frauen sind nicht besser als Männer, denn ohne das Eine, würde das Andere nicht existieren.

Frauen sind klug, witzig, manche wunderschön, manche nicht, manche süß, manche nicht, manche verführerisch, manche nicht. Aber Jede, und wirklich Jede ist besonders. Jede ist frei in ihren Entscheidungen, in ihren Meinungen und in ihrem Aussehen.

Männer sind klug, witzig, manche gutaussehend, manche nicht, manche süß, manche nicht, manche verführersch, manche nicht. Aber Jeder, und wirklich Jeder ist besonderes. Jeder ist frei in seinen Entscheidungen, in seinen Meinungen und in seinem Aussehen.

Ich verstehe diesen ewigen Vergleich von Männern und Frauen nicht.
Wieso muss ein Geschlecht besser sein als das andere?
Wieso existieren immer noch diese Stereotypen? In welchem Zeitalter leben wir eigentlich?

Letzte Woche hatte unser Erdkunde-Kurs Mensadienst, hängen geblieben ist es natürlich an meinen Freundinnen und mir. Wir haben also die Mensa gefegt, die Tische gewischt und den Müll aufgesammelt. Gut. Dachte ich.
Bis sich so ein kleiner 10-jähriger Pimpf vor mir aufbaute und allen Ernstes meinte: "Ey. Da liegt noch was."
Ich bin ein sehr temperamentvoller Mensch, aber ich dachte, gut, Jana, reg dich nicht auf.
Ich: "Da vorne steht der Besen, du kannst ihn dir ja nehmen und das wegmachen."
Er (ging mir grade bis zur Hüfte): "Eyy, ich bin ein Mann, ich putz nicht, das machen Frauen."
Man konnte sehen, wie meine Nackenhaare sich langsam aufgestellt haben. Meine Freundin ist schon einen Schritt zurück gegangen und hat mich sorgenvoll anlächelt.
Ich gebe zu, am liebsten hätte ich dem sowas von in den Arsch getreten, dass er den Weg zur Realschule runter geflogen wäre.
Nicht nur, dass dieser kleine Junge mit seinen 10 Jahren in der heutigen Zeit diesen Stereotyp im Kopf hatte, nein, dass er auch noch die Dreistigkeit besitzt, mir das so offen ins Gesicht zu sagen, hat mich wirklich sprachlos und so absurd wütend gemacht, dass ich mich einfach umgedreht hab und gegangen bin. Sonst hätte nämlich einer geheult und das wäre nicht ich gewesen.

Anhand der Länge dieses Posts kann man sehen wie sehr mich dieses Thema beschäftigt und wie wütend ich dabei werde.
Ich weiß, es gibt Religionen, da ist das normal. Ich möchte mir wirklich, und das meine ich wirklich ernst, ich möchte mir wirklich nicht anmaßen, Religionen zu kritisieren. Ehrlich nicht. Glaube ist eine Sache, die mit Respekt behandelt werden muss.
Aber: Wenn ich höre, dass eine Frau exekutiert wird, weil sie sich gegen ihren Vergewaltiger gewehrt, da könnte ich, entschuldigung, echt kotzen.
Wenn ich höre, dass eine Frau gesteinigt wird, weil sie fremdgegangen ist, da könnte ich, entschuldigung, echt kotzen.

Ich merke selber, dass ich viel zu weit abschweife und dass das Wort Struktur in diesem Text echt ein Fremdwort ist. Das tut mir leid.

Das Ganze in Kurzformat: Jeder Mensch auf dieser Erde hat die gleichen Rechte und die gleiche Entscheidungsfreiheit.
Jeder.
Und: Jede Meinung, jede Entscheidung ist gleich viel wert.

Und nein heißt nein.

2 Kommentare:

  1. Ich finde Feminismus teilweise ein bisschen überzogen. Das, was du sagst, unterstütze ich. Aber manchmal höre ich auch von Feministen solche Aussagen wie, dass es zum Beispiel diskriminierend ist, wenn Männer sich darüber unterhalten, welche Frauen sie heiß finden. Aber andersrum ist das ja genauso.
    Oder die Frauenquote - finde ich ein bisschen überzogen. Ich meine, es ist ja so, dass man 30% Frauen in Führungspositionen haben MUSS, ansonsten muss man Geld zahlen, aber es kann ja auch sein, dass sich überhaupt keine Frau bewirbt, ich meine, es gibt ja nun mal Berufe, in denen hauptsächlich Männer arbeiten. Genauso wie im Kindergarten und in der Schule hauptsächlich Frauen arbeiten - das ist auch ein Problem (für die Kinder). Und ich finde halt, wenn man eine Frauenquote hat, müsste man rein theoretisch auch eine Männerquote haben (selbst, wenn man diese dann vermutlich nicht brauchen würde). Und dass öfter Männer in Führungspositionen sind, liegt ja auch daran, dass die meistens schon länger im Beruf sind, weil Frauen zwischendurch aufhören zu arbeiten, weil sie Kinder bekommen oder so. Und wenn ich ehrlich bin, würde ich als Chef, wenn ich die Auswahl zwischen jemandem, der seit zehn Jahren dabei ist und jemandem, der zwar auch seit zehn Jahren dabei ist, aber dazwischen fünf Jahre nicht gearbeitet hat und erst seit 'nem halben Jahr oder so wieder da ist, auch die erste Person nehmen. Und wenn ein Mann so eine Kinderauszeit (wie auch immer das heißt) nehmen will und die Frau dann arbeiten geht, bekommt der Mann auch haufenweise dumme Sprüche zu tun (viele Feministen setzen sich ja eher für allgemeine Gleichberechtigung ein, also auch bei so etwas. Ich meine nur, dass die meisten Menschen auf das Wort komisch reagieren, weil man eben am meisten von den Menschen mitbekommt, die das alles vollkommen überziehen).
    Meine Sozialpädagogiklehrerin hat mal erzählt, dass sie mal in 'ner anderen Schule gearbeitet hat und da gab es zwei Tischtennisplatten, eine war mit "Nur für Mädchen" beschriftet. Daraufhin hat sie in 'ner Besprechung gesagt, dass man die andere Platte dann aber mit "Nur für Jungs" beschriften müsste. Hat niemand verstanden. Wobei das so das Hauptprinzip ist, dass hinter Feminismus stehen sollte, weshalb ich das Wort nicht mag, weil das eben impliziert, dass es nur um Frauen geht, aber es geht ja um Gleichberechtigung.
    Das ist jetzt auch total unstrukturiert, aber ich denke mal, man versteht, was ich sagen wollte. :D

    (Und das flauschige Tagebuch ist wirklich flauschig! Wobei ich glaube, dass ich das hier am flauschigsten finde: http://www.claires.co.uk/pws/ProductDetails.ice?ProductID=34517)

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    1. Geb ich dir absolut Recht, also...ja, geb ich dir Recht.
      Aber ich muss auch ehrlich zugeben, dass ich mich mit Thema im Gebiet Frauenquote und so gar nicht so intensiv beschäftigt habe, also so weit hab ich noch gar nicht gedacht, weil das Thema für mich persönlich im Bezug auf Frauen nicht die oberste Priorität (Da kommt wieder das dumme, kleine 18-jährige Mädchen raus, das nicht an die wirtschaftlichen und erfolgstechnischen Erfolge der Frau denkt.). Ich finde, wie auch eigentlich oben schon erwähnt, aber hey, Wiederholungen sind super, der wichtigste Punkt dieser ganzen Feminismusdebatte, ist wirklich das Bewusstsein der Frau und das Verhältnis der Frauen zu sich selbst (Oder heißt es selber? Das weiß ich nie.). Ich glaube, sobald man dieses Selbstbild gewandelt oder zumindest teilweise verändert hätte, würden sich auch Dinge wie die Frauenquote und Ähnliches nach einiger Zeit in Luft auflösen, weil ein ganz neues Selbstbewusstsein mit dem Begriff "Frau" verbunden werden würde.
      Aber vielleicht ist das auch alles nur idealistisches Gelaber, ich hab ja auch keine Ahnung.

      (Oh. Mein. Gott. Das hab ich noch nicht gesehen.)

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