Ich schalte den Fernseher ein.
"Wenn die so aussieht, muss sie sich nicht wundern, dass sowas passiert."
"Ja also...sie ist ja schon selbst schuld, bei dem Image."
"Ich könnte mir schon vorstellen, dass sie sich die Geschichte nur ausgedacht hat."
Ich schalte weiter.
"Die Zahl der Verletzten hat sich mittlerweile auf 175 erhöht."
"215 Menschen kamen bei dem Anschlag ums Leben."
"Der Mann wurde mit einer Rohrbombe festgenommen."
Ich schalte den Fernseher aus.
Und kämpfe mit den Tränen.
Mein ganzer Körper ist voll mit Trauer.
Trauer um die verstorbenen Menschen.
Trauer um die Menschheit.
Trauer um die Welt.
Ich verstehe nicht, was momentan vor sich geht.
Ich kann und will es nicht verstehen.
Es macht mich sprachlos.
Es macht mich so unfassbar traurig.
Was ist nur aus uns geworden?
Menschen sprengen andere Menschen in die Luft.
Menschen vergewaltigen andere Menschen.
Menschen beschuldigen andere Menschen, nur weil sie anders aussehen.
Zwischendurch, wenn meine Traurigkeit zu allgegenwärtig wird, wenn ich das Gefühl hab, an ihr zu ersticken, denke ich, dass ich in so einer Welt nicht leben möchte.
In einer Welt, in der Opfer Angst haben müssen, zum Täter gemacht zu werden.
In einer Welt, in der Frauen von der Gesellschaft aufgrund ihrer Kleidung oder ihres Verhaltens als "Schlampe" abgestempelt werden und in der es normaler ist, dass man nicht in Shorts aus dem Haus gehen kann, aus Angst vergewaltigt zu werden, als die Annahme, dass man es eben nicht wird, alleine dieser Gedankengang ist schon so falsch, dass ich am liebsten brechen möchte.
In einer Welt, in der Leute sterben müssen, umgebracht werden, weil sie an etwas anderes glauben, anders aussehen oder auch nur grade als Kollateralschaden für Menschen mit fanatischen Gedanken herhalten müssen.
In einer Welt, in der eigentlich nichts mehr irgendeinen Wert hat, außer das Geld. Weder Menschen, noch Tiere, noch die wundervolle Natur um uns herum.
Manchmal möchte ich das alles nicht mehr.
Dann seufze ich kurz.
Und versuche die Traurigkeit genauso auszuschalten wie den Fernseher.
Nachtrag:
Während ich diese Zeilen geschrieben habe, gab es einen Terroranschlag in Medina.
Heute ist so ein Tag.
Ich bin so traurig.
Ändere doch nicht einfach deinen Blog-Link, ich hab keine Benachrichtigungen mehr bekommen und ging die ganze Zeit davon aus, dass du gerade einfach nichts schreibst, weil du ja öfter mal eine Zeit lang hier nichts schreibst. Habe gerade erst gemerkt, dass du einfach nur den Link geändert hast und ich deswegen keine Benachrichtigungen mehr bekomme. :(
AntwortenLöschen↑ Das da oben ist übrigens der Grund, warum ich gar keine Nachrichten gucke. Das Wichtigste bekommt man ja auch so mit, aber dann nimmt mich das nicht so mit und vor allem hat man es dann nicht jeden Tag (kommt ja oft tagelang dasselbe). Muss dem „Was ist nur aus uns geworden“ allerdings widersprechen. Die Welt war schon immer so. Die Berichterstattung ist nur anders. uuund ich finde, manche Menschen haben auch zu viel Angst, zumindest in Deutschland (andere Länder sind natürlich schlimmer). Zum Beispiel Vergewaltigungen: ich hab eine Freundin, die geht wirklich nicht raus, wenn es dunkel ist, weil sie Angst hat, vergewaltigt zu werden. Jetzt wurde sie tatsächlich vergewaltigt - mitten am Tag, von ihrem Nachbarn. Ich kenne einige Leute, die vergewaltigt (oder ähnliches) wurden. In den seltensten Fällen ist das irgendwo draußen auf der Straße oder bei einer Party, das bekommt man nur eher mit. Die meisten Vergewaltigungen finden immer noch in der Familie/Nachbarschaft/Freundes-/Bekanntenkreis und in Beziehungen statt, also von Menschen, denen man von vornherein vertraut. Aber ja. Eine Zeit lang hat mich das alles genauso traurig gemacht. Mittlerweile kann ich das fast immer ausblenden (keine Ahnung, ob das jetzt gut oder schlecht ist).