Es regnet.
Lauter Wassertropfen prasseln auf die Welt herab und reinigen sie.
Früher dachte ich immer, dass die Wolken weinen, wenn es regnet.
Dass irgendetwas sie so traurig macht, dass sie manchmal sogar tagelang weinen und alles überfluten.
Dann habe ich mich aufs Sofa gesetzt und gehofft, dass die Wolken bald wieder glücklicher werden und nicht mehr weinen müssen.
Heute sieht das nicht viel anders aus.
Ich sitze mich auch aufs Sofa, allerdings freue ich mich, wenn es regnet.
An Regentagen ist es erlaubt, selbst auch traurig zu sein und zu weinen, denn wenn so etwas Riesiges wie die Wolken schon nicht mehr können, wie sollen wir kleinen, dummen Menschen dann den Tag überstehen?
Wie sollen wir mit all dem Scheiß klar kommen und wie sollen wir ertragen, uns manchmal selbst im Spiegel zu sehen?
Wie sollen wir Tag für Tag auf diesem Planeten leben, Tag für Tag unserer eigenen Arroganz und Grausamkeit ausgeliefert, den Tod stets dicht auf den Fersen?
Tag für Tag.
Tag ein, Tag aus.
Wenn der Regen aufs Dach prasselt, dann übertönt er für einen Moment all das Grauen, all das elend und all die Gedanken, die sich einnisten und nimmt den Kopf komplett in Beschlag.
Man schließt die Augen, lauscht dem Prasseln und genießt die Stille.
Doch wenn das Prasseln aufhört, dann kommen die Gedanken zurück, bahnen sich ihren Weg mit dem Vorschlaghammer und schaffen wieder Chaos.
Und wenn es so weit ist, dann lernt man den Regen zu schätzen, ihn herbeizusehnen und voll und gang zu genießen.
Das Prasseln hat aufgehört.
Die Wolken sind wieder glücklich.
Die Gedanken kommen wieder.
Warum regnet es nicht weiter?
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