Ich vermisse das Meer.
Ich vermisse es so sehr.
Das Rauschen, der Anblick, den Geruch.
Wenn ich alleine daran denke, könnte ich anfangen zu weinen.
Alleine dieser Moment, wenn man weiß, man sieht es gleich, man kann es schon riechen, aber weder hören, noch sehen.
Ich brauch das jetzt bald, sonst drehe ich durch.
Das Meer & Ich. Zwei ungleiche Freunde.
Das Eine so groß. Das Andere so klein.
Ich hab das Gefühl, ich brauche diese Verlorenheit, um mich wieder ganz zu fühlen. Ich brauche dieses riesige Wasser, um mich wieder zu fühlen.
Das hört sich mega übertrieben an. Aber ich weiß noch wie ich auf Sylt jeden Abend alleine zum Strand gelaufen bin. Jeden Abend, ich weiß heute noch genau wie die Strecke ausseiht und wo ich her müsste.
Jeden Abend konnte ich es schon riechen, hören, fühlen. Der Steg, das Ende des Stegs, das Meer vor mir. In seiner ganzen Pracht. Das Gefühl von Glück. Der Sand eiskalt, die Luft eiskalt, das Wasser eiskalt. Ich habe gelesen oder Tagebuch geschrieben.
Sonnenuntergang. Orange. Rot. Rosa.
Auf dem Steg ein letztes Mal umgedreht. Wir sehen uns morgen wieder. Ich versprech's.
Auf dem Rückweg durch den Pinienwald. Dieser Duft war unbeschreiblich. Ich habe versucht, ihn zu konservieren in meiner Nase, in meinem Gehirn, aber schon wie Jean Baptiste Grenouille habe auch ich ihn verloren. Jedes Mal, wenn ich in die Zivilisation zurück kam, war ich traurig.
Das letzte Mal, als ich mich verabschieden musste, konnte ich nicht gehen.
Wir waren doch gerade erst wieder zusammen, gerade wieder vereint, mein Freund und ich.
Ich war doch gerade erst wieder zurecht gerückt worden. Im Gleichgewicht mit mir und der Welt.
Es war noch nicht richtig. Ich war noch nicht fertig mit mir, mit dem Langzeitprojekt "Ich".
Ich habe fast geweint.
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